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Den Sterbenden an unseren Grenzen

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Das Leiden der Flüchtlinge ist ein dauerhaftes Dilemma, das sich im Laufe der Geschichte stellt. Die konstante Zahl der Todesfälle an den EU-Grenzen ist eine unerträgliche Schande, doch die europäischen Medien und die Gesellschaft schenken dieser anhaltenden humanitären Krise nicht genügend Aufmerksamkeit. Menschen sterben täglich, so dass dies die neue Normalität ist.

Als die Berliner Künstlergruppe “Center for Political Beauty” und Zehntausende von Demonstranten das Büro von Bundeskanzlerin Angela Merkel belagerten und auf eine sichere Passage für Flüchtlinge und würdige Beerdigungen für Tote drängten, ein Flashmob, der sich über ganz Deutschland ausbreiten sollte. Die Menschen errichteten weiße Kreuze inmitten von Städten und Dörfern und gedachten derer, die an den Grenzen starben. Diese starke Symbolik inspirierten den Senior Fellow Armin Wühle und ein paar Unterstützer, um sein Aktionsprojekt zu starten, Den Sterbenden an unseren Grenzen, an online photo campaign.

Armins Aktionsprojekt zielte darauf ab, die weit verbreitete Gleichgültigkeit zu brechen und die Menschen für die Gräueltaten an der Grenze der EU zu sensibilisieren. Er wollte über die Umstände des Fluges und die Gefahren der EU-Grenzsicherungsmaßnahmen informieren.

Es gibt eine weit verbreitete Apathie für die Menschen, die auf dem Weg nach Europa sterben. Wenn etwas täglich passiert, wird es oft gewöhnlich – die Menschen werden stumpf, taub oder gleichgültig gegenüber dem Leiden.

Das Team von Wühle war entschlossen, auf hilfreiche Initiativen aufmerksam zu machen, die vor Ort funktionieren und Geld und Unterstützung für ihre lebensrettende Arbeit benötigen (“Sea-Watch”, eine private Seerettungsorganisation; “Mobile Info Team”, ein in Griechenland tätiger Rechtsbeistand; und “City Plaza Hotel Athen”, ein ehemaliges Hotel, das Flüchtlingen während ihrer Reisen einen kostenlosen sicheren Platz bietet).

Im Mittelpunkt des Projekts stand eine Collage von Bildern, die von lokalen Künstlern aufgenommen wurden, gepaart mit einem Interview mit einem Flüchtling, der seine persönlichen Erfahrungen teilte.

Armin und seine Anhänger zimmerten etwa 30 weiße Kreuze und setzten sie an Orte des täglichen Lebens, wie Cafés, Spielplätze und Kinos. Die Kreuze ersetzten Menschen und bedeuteten den Verlust von Menschenleben. Sie wollten zeigen, dass die Menschen, die an den Grenzen sterben, nicht nur Zahlen sind, sondern Menschen. Sie könnten unsere Nachbarn, Freunde, Kinder sein – und sie hätten neben uns wohnen können, wenn ihnen ein sicherer Durchgang gewährt worden wäre. Sie wollten ein Gefühl für diese enorme Zahl von Todesfällen vermitteln – das UNHCR hat herausgefunden, dass seit 2014 über 10.000 Menschen auf dem Weg nach Europa gestorben sind.

Wenn man alle Kreuze auf den Bildern zählt, bekommt man etwa 200…. was etwa 2% der Menschen ist, die tatsächlich gestorben sind.